Astrid "Fee" Blümel - Wort & Schrift

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Astrid "Fee" Blümel, BA

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"Das Ende der Zeit"

Nachdem ich letztes Jahr beim Weihnachtsgeschichten-Wettbewerb von "ServusTV" mitgemacht habe (und dann vergessen habe, dass ich teilgenommen hatte), hab ich Anfang Dezember dann eine Mail bekommen, in der stand, dass ich gewonnen hatte und meine Weihnachtsgeschichte gemeinsam mit 23 anderen aus über 350 Geschichten ausgewählt worden war, um nächste Jahr zu Weihnachten in Buchform zu erscheinen.

Da hab ich mich dann schon sehr gefreut. :-)

Hier der Link (es schaut auf der Servus-TV-Homepage so schön aus!):

http://www.servustv.com/at/Themen/Kultur/Weihnachten/Vorlesen/Das-Ende-der-Zeit

Und hier - die Geschichte:


Das Ende der Zeit
Der Morgen war grau, der Himmel bedeckt und das Land lag vereist und verborgen im Halbdunkel. Kein Laut war zu hören, keine Stimme erhob sich, nicht einmal das allgegenwärtige Dröhnen in der Ferne war mehr zu hören. Es war kalt.
Mehr als zweitausend Jahre waren vergangen. Die Welt atmete aus, in einem langen, lautlosen Wirbeln. Die Stille war ohrenbetäubend, hätte es noch Ohren gegeben, die zu hören bereit gewesen wären. An einem Ort lag alles in Trümmern, denn keine Granate war nicht explodiert, und kein Projektil war unabgefeuert geblieben. An einem anderen schien alles soweit intakt zu sein, aber kein böses Wort war unausgesprochen, kein hasserfüllter Schrei, keine Beschuldigung zurückgenommen worden, und so hing die Bitterkeit, die Enttäuschung und der Schmerz in der Luft, dass man sich daran hätte schneiden können, wäre noch jemand da gewesen. An wieder einem anderen Ort konnte man überhaupt nicht mehr atmen, denn die Luft war verpestet und krank, genauso wie alles andere, das sich dort befand.
Während die Dämmerung voranschritt und sich schließlich zu einem neuen Tag formte, entstieg Gott einer Höhle. Schwer lastete das Geschehene auf seinen Schultern, und das Atmen fiel ihm schwer unter den Tränen, die ihm wie Sturzbäche über die Wangen flossen. Seine Hand griff hier nach einer Stadt, dort nach einem eingestürzten Haus, strich sanft über die Wälder wie über einen Teppich und rührte dann vorsichtig, wie mit einem riesigen Kochlöffel, im Meer. Seine Schritte knirschten nicht im Schnee, und sein Atem kräuselte auch keine kleinen Wölkchen in die Luft. Gott war lautlos.
Und dann, dann legte er ein Kind in eine Krippe.
„Hoffnung“, sagte er zu ihm, und es hallte bis in alle Ecken und Winkel der Welt, „Ich gebe euch nicht auf.“ Und alles, was von seiner Stimme berührt wurde, heilte, verstand, fügte sich zusammen und erschuf sich neu; alles, was verloren war, kehrte wieder heim, und alles, was zerbrochen war, wurde wieder heil; Vergebung flutete das Land, Gerechtigkeit spazierte durch die Städte, Sanftheit und Wärme küssten den kalten Boden.
Jemand zündete eine Kerze an, und erneut wurde es Weihnachten. 

Dezember 2014